Einsatz der Kreisfeuerwehrbereitschaft

[09. - 12.06.2013] – Auch 10 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Emtinghausen machten sich am frühen Sonntagmorgen auf, um sich am Hochwassereinsatz an der Elbe der Kreisfeuerwehrbereitschaft Verden zu beteiligen.

 

Bereits am Dienstagabend waren die Vorbereitungen hierfür angelaufen, da man zunächst von einem Einsatz ab Freitag Abend ausging. Wir stellen über die Gefahrgutgruppe der Samtgemeinde dem Fachzug Gefahrgut innerhalb der Kreisfeuerwehrbereitschaft Verden (KFB) Personal zur Verfügung. Im Fachzug Gefahrgut waren wir mit 6 Kameraden zur Stelle.

Ferner unterstützten wir die Felder Kameraden mit 3 Mitgliedern in der Besetzung ihres Löschgruppenfahrzeuges (LF 8). Dieses Fahrzeug ist dem Fachzug „Wassserförderung“  der KFB zugeordnet. Unser Ortsbrandmeister unterstützte die ELW 2 - Besatzung und die Kreisbereitschaftsführung in der Einsatzleitung.

 

Tag 1, Sonntag 09.06.2013

Abfahrt um 8.00 Uhr an der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Verden. Da vorher bereits die Fahrzeuge vorbereitet und alles verstaut werden musste, trafen wir uns bereits zwischen 5.00 Uhr und 5.30 Uhr an den jeweiligen Standorten der Fahrzeuge. Die Gefahrgutgruppe ging mit dem Mannschaftstransportfahrzeug (MTF) Felde und dem Gerätewagen Gefahrgut der Ortsfeuerwehr Thedinghausen in den Einsatz.

Nach gut vier Stunden Fahrt trafen wir in unserem Bereitstellungsraum in Gartow ein. Hier erhielten wir unseren ersten Einsatzbefehl: Ablösung der KFB Diepholz, Aufbau eines Hochwasserschutzsystems der BF Frankfurt und Sicherung dieses Systems. Eigentlich keine schwierige Aufgabe sollte man meinen. Jedoch weit gefehlt.

 

Die Strasse zum Instellungbringen dieses Systems war bereits an einigen Stellen überflutet. Eine weitere ungehinderte Überflutung hätte zur Folge, dass die Gemeinde Gartow unter Wasser stehen würde. Wie ernst die Lage war, machten uns auch die sorgenvollen Blicke und Aussagen der Anwohner deutlich. Teilweise mit Tränen in den Augen dankten einige von ihnen für unseren Einsatz und baten um Informationen. Vordringliches Ziel war daher eine weitere Überflutung zu stoppen und weiterhin zu verhindern. Links von der Landesstrasse 256 in Richtung Gorleben war Wald. Rechts davon das Wasser. Ein arbeiten war teilweise nur mit Wathose möglich. So hoch stand bereits das Wasser. Die Einsatzstelle insgesamt war über 4 km lang. Ein Befahren mit Großfahrzeugen war nicht mehr möglich. So verteilten wir unsere Einsatzkräfte mit MTF in der Einsatzstelle und nahmen dabei die Diepholzer Kameraden wieder mit zurück. Nun ging es an die Arbeit. Hierbei galt es zunächst zu klären, wie dieses System überhaupt aufzubauen und zu nutzen ist. Es stellte sich dabei heraus, dass zum Befüllen der Barrikaden Wasser genutzt wird. Hierfür sind Pumpen erforderlich. Also musste mühsam weiteres Material an die Einsatzstelle verbracht werden. Die Strasse konnte nur noch im Einbahnstrassenverkehr befahren werden und um zum Ausgangspunkt zurück zu gelangen, war eine 8km Rundfahrt durch den Wald erforderlich. Mit Treckern kein Problem, mit nicht geländegängigen Fahrzeugen allerdings schon. Da mittlweile die Dunkelheit eingesetzt hatte, machten sich auch die vielen Stechmücken an ihre „Arbeit“. Ebenso musste die Verpflegung unserer Einsatzkräfte mit Getränken und Essen sowie Mückenschutzmittel sicher gestellt werden. Bis 1.00 Uhr konnte die gestellte, schwierige Aufgabe zum Abschluss gebracht werden.

 

Die Ablösung erfolgte durch die KFB Cuxhaven, die dann die weiteren Sicherungsmaßnahmen vornahm. Die Gefahr war dort aber zunächst erfolgreich gebannt. Gegen 2.30 Uhr traten wir die Nachtruhe im 41km entfernten Clenze (Schulturnhalle) an.

 

Tag 2, Montag 10.06.2013

Nach einer unruhigen Nacht mit 150 Personen in einer Schulturnhalle ging es am nächsten morgen erneut nach Gartow. Gegen Mittag kam der Einsatzbefehl: Übernahme einer Sandsackfüllsation im kleinen Dörfchen Gummern. Gummern liegt zwischen Gartow und Schnackenburg, der kleinsten Stadt Niedersachsens. Dort war eine behelfsmäßige Sandsackfüllstation erichtet worden. Anwohner der Dörfer und Bundeswehrsoldaten waren hier seit dem frühen morgen im Einsatz und befüllten von Hand die Sandsäcke. Wir unterstützten die dortigen Bewohner und Bundeswehrkräfte. Erstaunlich war hierbei die kameradschaftliche Stimmung aller dort vertretenen Personen und Organisationen. Man unterstützte sich in allen Belangen gegenseitig. Besonderes Problem war an dieser Einsatzstelle die stechende Sonne. Sonnschutzmittel war zwingend erforderlich. Da die Deicherhöhungsmaßnahmen abgeschlossen waren, galt es nun Sandsackreserven für die Deichverteidigung aufzubauen. Wie nötig das war, zeigten die Nachrichten über Deichbrüche aus Sachsen-Anhalt. Bis 17.00 Uhr waren wir hier im schweißtreibenden Einsatz. Die Produktion wurde dann durch die Örtliche Einsatzleitung eingestellt und wir konnten wieder die einstündige (!) Rückfahrt in unsere Unterkunft antreten.

 

Tag 3, Dienstag 11.06.2013

Wieder ging es nach dem Frühstück erneut Richtung Gartow. Hier hatten wir nun den Auftrag erhalten eine größere Sandsackfüllstation direkt am Gartower See zu betreiben. Neben der örtlichen Führung waren auch mehrere Sandsackfüllmaschinen, unter anderem aus dem LK Wesermarsch, sowie eine Beleutungsgruppe des THW Salzgitter im Einsatz. Nachdem wir uns an der Einsatzstelle eingerichtet hatten, nahmen wir die Arbeit auf. Die Unterstützung der Anwohner war hervorragend. Auf der gegenüberliegenden Seite hatten diese ein Buffet errichtet, welches zur Verpflegung der Einsatzkräfte und zivilen Helfer diente. Immer wieder brachten Anwohner auch aus benachbarten Dörfern Kuchen, belegte Brote und Brötchen, Obst und Getränke vorbei. An einer großen Tafel wurde ausgeschrieben was noch benötigt wurde. In den Pausen machten wir von diesem Angebot gerne Gebrauch. Hierbei kam man auch mit den Bewohnern ins Gespräch und tauschte Informationen aus. Es wurde in den Gesprächen immer wieder deutlich wie dankbar die Hilfe der auswärtigen Einsatzkräfte angenommen wird und wie sorgenvoll die Anwohner die Hochwasserlage beobachteten. Aber auch die Solidarität untereinander war sehr beeindruckend und Motivation für unseren Einsatz.

Am frühen Nachmittag wurde wieder von der örtlichen Einsatzleitung entschieden keine weiteren Sandsäcke mehr zu füllen und wir blieben in Bereitstellung. Eigentlich sollte der Einsatz nach drei Tagen beendet sein. Die örtliche Einsatzleitung bat jedoch um Verlängerung. Wir bereiteten daher für den nächsten Tag eine Austauschaktion vor.

Da gegen Abend kein neuer Einsatzauftrag vorlag, traten wir wieder den langen Rückweg in unsere Unterkunft an.

 

Tag 4, Mittwoch 12.06.2013

Wir hatten bereits am Vorabend die Order erhalten pünktlich um 8.00 Uhr in Gartow in Bereitstellung zu gehen. Es sollte nach Laasche gehen. Dieser Ort war vom Wasser eingeschlossen. Eine Zufahrt mit Fahrzeugen war nicht mehr möglich. Wir trafen pünktlich ein und machten uns auf den Weg nach Meetschow, dort meldeten wir uns bei dem zuständigen Abschnittsleiter. Die DLRG war bereits mit Booten vor Ort. Der Abschnittsleiter erklärte unseren Auftrag: Übersetzen mit Booten nach Laasche, dort Sandsackverbau zur Verteidigung der Deiche und Unterstützung der Bewohner.

Gerade als wir unsere Fahrzeuge abstellen und die Boote klar machen wollten, kam die Rückmeldung der Örtlichen Einsatzleitung über den Abbruch des Einsatzes. Diesen Auftrag sollten nun 200 Bundeswehrsoldaten übernehmen. Diese Entscheidung sorgte für deutlichen Frust bei uns, so dass der Kreisbereitschaftsführer nochmals zum Gespräch in die Einsatzleitung in Gartow aufbrach. Nach nochmaliger Erörterung der Gesamtlage wurde dann entschieden einen anderen Auftrag durchzuführen. Auf eine weitere Anwesenheit der KFB Verden bis zum Wochenende konnte ebenfalls verzichtet werden, da weitere KFB`n  im Anmarsch waren. Daher wurde unsererseits auch die Austauschaktion der Einsatzkräfte abgebrochen.

Wir wurden dann nach Pevestorf direkt an die Elbe verlegt. Dort lautete unser Auftrag: Abkaderung der Sandsäcke von der Deichkrone zum Deichfuss. Dieses sollte der Entlastung der Deichkrone und gleichzeitig Sicherung des Deichfusses dienen. Hiermit waren wir dann bis zum Nachmittag beschäftigt. Nun waren wir auch direkt an der Elbe eingesetzt und man konnte die gewaltigen Ausmaße der Wassermassen sehen. Am späten nachmittag tankten wir dann noch die Fahrzeuge und wir machten uns auf zurück aus dem Katastrophengebiet in die Heimat.

 

Insgesamt kann man sagen, dass der Einsatz der Kreisfeuerwehrbereitschaft Verden ein erfolgreicher Einsatz war. Die Kameradschaft und Motivation unter den verschiedenen Einsatzkräften aus dem gesamten Landkreis war hervorragend. Deutliche Mängel gab es allerdings in der dortigen Örtlichen Einsatzleitung sowie der örtlichen, zentralen Verpflegung.

 

Im Einsatz waren:

Clemens Rodewald, Danny Schlitte, Torben Hasselmann, Mario Falldorf, Niklas Schmelzle, Daniel Voigt, Michael Schrage, Dietke Meyer, Wilco Asendorf, Dennis Bösche-Meyer. 

 

Hintergrund: Kreisfeuerwehrbereitschaft

Jeder Landkreis ist verpflichtet, Kreisfeuerwehrbereitschaften für den überörtlichen Einsatz im Katastrophenfall bereit zu stellen. Einige Landkreise haben aufgrund ihrer Größe auch mehrere Kreisfeuerwehrbereitschaften. Die Kreisfeuerwehrbereitschaft setzt sich zusammen aus verschiedenen Fachzügen. Jeder Zug verfügt über ca. 30 Mitglieder und 5-6 spezielle Feuerwehrfahrzeuge. Diese werden aus den einzelnen Ortsfeuerwehren gestellt. Um den örtlichen Brandschutz im Einsatzfalle sicher zu stellen sind immer nur einzelne Fahrzeuge aus den Gemeinden vertreten. Es gibt in der KFB Verden 5 Fachzüge: Wassertransport, Wasserförderung, Technische Hilfeleistung, Gefahrgut und Logistik. Daneben ist mit dem Einsatzleitwagen des Landkreises (ELW 2) eine Führungsgruppe zur Führung und Lenkung des Einsatzes dabei.

Geführt wird die Bereitschaft vom Kreisbereitschaftsführer Joachim Schmidt aus Barme, sein Stellvertreter ist Jens Rebers aus Oyten.

 

Links:

Live-Blog der Kreisbereitschaft

SEG-Presse der Kreisfeuerwehr

Feuerwehr Achim, Gefahrgutzug LK Verden

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